Grauzone

Kollektion bei Michael Sontag zum Thema Contemporary Haute Couture

 

 

In der Grauzone befindet sich das Undefinierte, das weder schlecht (schwarz) noch gut (weiß) ist.

 

Haute Couture

Es ist die Reduktion auf das Wesentliche, die die Kollektionen interessanter machen. Die Konzentration auf das Material, die Reduktion von Farbe und Form. Mit diesen Aspekten spielt auch die Kollektion Grauzone. Ein Stil, der immer minimalistischer wird.

 

Heute sollte man den Begriff der Haute Couture jedoch Infrage stellen. Was ist noch übrig geblieben von der Handwerkskunst der großen Meister. Oft dient sie nur noch der markenstrategischen Show großer Unternehmen, um Kunden zu gewinnen. Parfum, Taschen und Schuhe sollen den Umsatz bringen.

Man muss die Wertigkeit der Haute Couture wiederbeleben. Nicht nur die Show und die Opulenz sollten im Vordergrund stehen, sondern das Kleidungsstück an sich soll handwerklich und künstlerisch wieder geschätzt werden.

 

Contemporary

Der Konsum kurzlebiger, immer wieder neu zu kaufender Wegwerfprodukte spiegelt den Zeitgeist wider. Oft wird die unsinnige Zeit- und Geldverschwendung nicht mehr hinterfragt. Die Wertigkeit der Produktewird kaum noch geschätzt und sollte wieder mehr respektiert werden.

Die Reizüberflutung in der heutigen Zeit lässt klare Strukturen verschwimmen. Die durch Medien und Werbung vorgelebten materialistischen Verhaltensmuster manipulieren den Menschen. Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit vieler Dinge sollte in Frage gestellt werden.

 

Kollektion

Aus der Recherche über den Begriff der Contemporary Haute Couture entstanden drei Schlagwörter: Oberfläche, Back to the Roots und Wertigkeit. In Zusammenhang mit den Aspekten Zufall und Minimalismus, die aus der Recherche der Haute Couture Kollektionen herausgefiltert wurden, ergibt sich die Inspirationsquelle und der Leitfaden durch die Kollektion.

Wertigkeit sollte wieder aufgelebt werden. Nicht durch teure Materialen und aufwendiger Stickereien, sondern durch die Wertigkeit des  Kleidungsstückes für den Einzelnen und dessen Zweck. Wie der Trenchcoat, ein heutiger Klassiker.  Ende des 19. Jahrhunderts machten die wasserabweisenden Eigenschaften dieses Stoffes den Trenchcoat besonders witterungsbeständig und somit für das Militär attraktiv. Sein Schnitt ist auf guten Wetterschutz und gute Beweglichkeit  ausgelegt. Dieser, in abgewandelter Form,  findet sich  in der Kollektion Grauzone wieder.

Back to the Roots bedeutet, dass man sich auf frühere Maßstäbe und Vorgehensweisen besinnt. Diese Aussage ist ein Statement und eine Aufforderung zugleich. Man fordert es, wenn eine Entwicklung in sich zu weit gegangen ist und unglaubwürdig oder übertrieben wird. So wie es heute im Falle der Haute Couture geschieht. Es ist ein Werteverfall und Prestigeverlust erkennbar. Es ist eine Aufforderung zur Abkehr vom Materialismus und die Rückkehr zu altbewährten Werten.

Der Begriff  Oberfläche ist die Reduktion auf die Optik. So wie in der Haute Couture der Sinn der Kleidung genommen und durch rein optische Werte ersetzt wird. Der schöne Schein legt sich wie eine Maske darüber und verfälscht den Blick auf das Wesentliche.

Die Aspekte Zufall und Minimalismus legen in Verbindung mit dem Begriff der Oberfläche den Grundstein für die Gestalt der Kollektion Grauzone. Der Zufall entschied, dass der Schnitt nicht auf der Schneiderpuppe, sondern auf der reduzierten Form des Kartons, in dem diese geliefert wurde, entsteht. Der Karton hat eine reduzierte Oberfläche, einen Kubus. Er hat die Maße 80 cm x 40 cm x 30 cm. welche sich durch die gesamte Kollektion ziehen. Jedes Hauptkleidungsstück ist auf dieses Maß aufgebaut.

 

 

 

Grau

Die Farbe Grau entstand aus der Reduzierung der Farben. Schwarz und weiß bleiben. Nimmt man beide Farben zusammen, entstehen jedoch eine Vielzahl neuer Möglichkeiten in unzähligen Grautönen.

Das Untergehen in einer grauen Masse beschreibt das Verschwinden der Individualität in einer nicht mehr zu differenzierenden, gleichförmigen Eintönigkeit.

Unauffälligkeit steht bei der Wahl von Grau als Kleidungsfarbe im Vordergrund. So war Feldgrau die kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs eingeführte erste Tarnfarbe der Uniformen der deutschen Armee und löste in Deutschland die aus dem 19. Jahrhundert überkommenen bunten Uniformfarben des Militärs ab.

Photo      Sebastian Schulz

Model     Renee Saibert

Fashion   Theresa Schmidt

 

2013

 

 

 

 

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